Retention Rate (Kundenbindungsrate)
Die Retention Rate (Kundenbindungsrate) beschreibt den Prozentsatz der Gäste, die innerhalb eines Zeitraums erneut in Ihrer Unterkunft buchen. Sie gilt als hilfreicher Hinweis auf Zufriedenheit und Loyalität zeigt, wie gut es Ihnen gelingt, aus Erstbesuchern wiederkehrende Gäste zu machen.
Warum ist die Retention Rate wichtig für Hotels?
Während viele Hotels ihren Fokus auf die Gewinnung neuer Gäste legen, kann die Bindung bestehender Kunden ein effizienter Hebel für nachhaltige Planung und Stabilität sein. Für unabhängige Unterkünfte ist eine verlässliche Basis an wiederkehrenden Gästen oft ein wichtiger Sicherheitsfaktor.
Eine hohe Retention Rate kann Ihr Geschäft auf mehreren Ebenen unterstützen. Hier sind typische Effekte, die sich in der Praxis häufig beobachten lassen:
- Reduzierung der Akquisekosten: geringerer Bedarf an laufenden Kampagnen und bezahlten Reichweiten, weil Reaktivierung und Direktbuchungen von Stammgästen oft weniger externe Kosten verursachen
- Bessere Planbarkeit: wiederkehrende Gäste bringen häufig mehr Vorhersehbarkeit in Nachfrage und Belegung, etwa durch frühere Buchungen oder weniger spontane Wechsel
- Mehr Potenzial für Zusatzleistungen: vertraute Gäste sind oft offener für relevante Angebote wie Restaurant, Spa oder Upgrades, weil sie Ihr Haus bereits kennen
- Mehr Unabhängigkeit im Vertrieb: ein wachsender Stammgästeanteil kann die Abhängigkeit von großen Buchungsplattformen verringern und den Direktvertrieb stärken
Was ist eine gute Retention Rate für Hotels?
Es gibt keinen universellen Wert, der für alle Betriebe gilt, da die Rückkehrquote stark vom Reiseanlass, der Destination und dem Gästemix abhängt.
Geschäftsreisehotels
In der Stadthotellerie und bei Business-Gästen ist die Retention Rate häufig höher. Geschäftsreisende kehren routinemäßig an denselben Ort zurück oder sind an Firmenraten gebunden. In diesem Segment werden teils Werte von über 50 Prozent berichtet, die für viele Häuser als grobe Orientierung dienen können.
Ferienhotels und Resorts
In der Freizeithotellerie liegt die Rate naturgemäß oft niedriger, da viele Urlauber bewusst Abwechslung suchen. Dennoch kann jeder zusätzliche Anteil an Wiederkehrern helfen, Nachfrage besser zu stabilisieren. Ein familiengeführtes Hotel, das 20 bis 30 Prozent seiner Gäste zu einem zweiten Besuch bewegt, kann im Alltag oft mit planbareren Wiederbuchungen arbeiten als Betriebe, die stark von laufender Neukundengewinnung abhängig sind.
Was bedeutet das in der Praxis?
Eine niedrigere Rate ist nicht automatisch ein Warnsignal, besonders in Destinationen, die typischerweise nur einmal besucht werden. Liegt Ihr Hotel jedoch in einer Region, die sich für regelmäßige Auszeiten eignet, kann eine niedrige Quote darauf hindeuten, dass Potenziale in der Gästebetreuung oder der Kommunikation nach dem Aufenthalt noch nicht ausgeschöpft sind.
Wie berechnet man die Retention Rate?
Die Berechnung erfolgt über einen festgelegten Zeitraum, beispielsweise ein Jahr, und setzt die Anzahl der bleibenden Kunden ins Verhältnis zur Ausgangsbasis.
Die Formel zur Ermittlung der Quote lautet:
Retention Rate = ((Kunden am Ende des Zeitraums – Neue Kunden im Zeitraum) ÷ Kunden zu Beginn des Zeitraums) × 100
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Prinzip:
Angenommen, Sie starteten das Jahr mit 500 registrierten Gästen. Am Ende des Jahres umfasst Ihre Datenbank 700 aktive Gäste, wovon 300 im Laufe des Jahres neu hinzugekommen sind.
Die Rechnung sieht wie folgt aus:
- 700 (Ende) – 300 (Neu) = 400 (behaltene Gäste)
- 400 ÷ 500 (Start) = 0,8
- 0,8 × 100 = 80 %
In diesem Szenario sind Ihnen 80 Prozent Ihrer ursprünglichen Gästebasis treu geblieben.
Exkurs: Employee Retention Rate (Mitarbeiterbindung)
Der Begriff Retention Rate wird im Hotelgewerbe nicht nur für Gäste, sondern zunehmend auch für das Personal verwendet. Angesichts des Fachkräftemangels ist die Employee Retention Rate (Mitarbeiterbindungsrate) für viele Betriebe zu einer wichtigen Kennzahl für operative Stabilität geworden.
Eine hohe Fluktuation kann spürbare Kosten verursachen, etwa durch Recruiting, Einarbeitung und Wissensverlust. Außerdem kann sich die Mitarbeiterzufriedenheit auf das Gästeerlebnis auswirken: Ein eingespieltes, zufriedenes Team kann Serviceabläufe konsistenter gestalten als eine häufig wechselnde Belegschaft.
Technologie kann hier unterstützend wirken. Moderne Tools für das Property Management (PMS) oder die Gästekommunikation automatisieren repetitive Aufgaben und können Teams im Alltag entlasten. Das kann dabei helfen, Routinen zu vereinfachen, Spitzen abzufedern und Mitarbeitenden mehr Zeit für den echten Gastkontakt zu geben – was die Arbeitszufriedenheit und damit auch die Bleibebereitschaft im Team unterstützen kann.
Wie hängt die Retention Rate mit anderen Hotel-KPIs zusammen?
Die Retention Rate steht in Wechselwirkung mit anderen Kennzahlen und kann dabei helfen, die langfristige Entwicklung Ihres Geschäftsmodells besser einzuordnen.
Hier sind wichtige Zusammenhänge mit anderen Metriken:
- Churn Rate (Abwanderungsquote): Gegenstück zur Retention Rate, das zeigt, welcher Anteil der Gäste im Zeitraum nicht zurückkehrt
- Customer Lifetime Value (CLV): häufig gilt, dass eine höhere Wiederkehrrate den CLV tendenziell erhöht, weil der Wert pro Gast über mehrere Aufenthalte wachsen kann
- Net RevPAR (NRevPAR): wenn Stammgäste häufiger direkt buchen, können Provisionskosten sinken, was sich positiv auf den Netto-Umsatz pro verfügbarem Zimmer auswirken kann
Welche Faktoren beeinflussen die Retention Rate?
Die Entscheidung eines Gastes, wiederzukommen, basiert selten auf einem einzelnen Moment, sondern auf der Summe aller Eindrücke während der Reise.
Die Loyalität wird durch verschiedene Berührungspunkte geformt. Hier sind entscheidende Einflussfaktoren entlang der Gästereise:
- Gästeerlebnis vor Ort: Sauberkeit, Servicequalität und Atmosphäre prägen den Gesamteindruck, auf dem weitere Maßnahmen aufbauen
- Kommunikation nach der Abreise: relevante E-Mails oder Angebote können die Erinnerung an den Aufenthalt wachhalten, statt dass der Kontakt abbricht
- Buchungskomfort: ein komplizierter Buchungsprozess kann Wiederbuchungen ausbremsen, weshalb ein schlanker Direktbuchungsablauf hilft
- Personalisierung: als Individuum wahrgenommen zu werden, etwa durch Zimmerpräferenzen oder Allergien, kann emotionale Bindung fördern
- Preis-Leistungs-Verhältnis: auch treue Gäste vergleichen, daher können transparente Konditionen und stimmige Direktbuchungsvorteile Vertrauen stärken
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5 Strategien, um die Retention Rate im Hotel zu steigern
Die Steigerung der Gästebindung erfordert Konsistenz und den intelligenten Einsatz vorhandener Informationen. Ziel ist es, den Kontakt auch nach der Abreise sinnvoll aufrechtzuerhalten und Hürden für eine erneute Buchung zu reduzieren.
1. Gästedaten zentralisieren und nutzen
Eine persönliche Beziehung lässt sich leichter aufbauen, wenn Sie wissen, wen Sie vor sich haben. Nutzen Sie ein CRM, das Daten aus Ihrem PMS bündelt und bereinigt. Wenn Sie die Historie und Vorlieben Ihrer Gäste kennen, können Sie gezielter kommunizieren, anstatt unpersönliche Massenmails zu versenden.
2. Den „Welcome Back“-Effekt stärken
Persönliche Anerkennung ist ein starker Motivator. Nutzen Sie Ihre Daten, um wiederkehrende Gäste schon bei der Anreise passend zu begrüßen. Ein einfaches „Schön, dass Sie wieder bei uns sind“ oder eine kleine Aufmerksamkeit basierend auf früheren Aufenthalten signalisiert Wertschätzung und kann Sie von anonymeren Erlebnissen abheben.
3. Kommunikation nach dem Aufenthalt automatisieren
Der Kontakt sollte nicht mit der Rechnung enden. Automatisierte Nachrichten, die einige Zeit nach der Abreise versendet werden, können einen Impuls für den nächsten Besuch geben. Wichtig ist die Relevanz: Ein Sommergast interessiert sich womöglich für andere Angebote als ein Wintergast. Segmentierung hilft Ihnen, passende Inhalte zur richtigen Zeit zu senden.
4. Anreize für Direktbuchungen schaffen
Machen Sie die Direktbuchung für Ihre Gäste möglichst attraktiv. Wenn der erste Aufenthalt über eine OTA gebucht wurde, kann es sinnvoll sein, die Folgebuchung direkt abzuwickeln. Bieten Sie klare Vorteile wie ein kostenloses Frühstück, Late Check-out oder einen transparenten Direktbuchungsvorteil (z. B. bessere Bedingungen oder ein kleines Extra) und kommunizieren Sie diese Vorzüge aktiv.
5. Einfache Loyalitätsprogramme einführen
Ein effektives Loyalitätsprogramm für Hotels benötigt keine komplizierten Punktesysteme. Einfache, verständliche Vorteile sind oft leichter zu erklären und umzusetzen: „Ab dem dritten Aufenthalt laden wir Sie zum Abendessen ein“ oder „Stammgäste erhalten bevorzugten Zugriff auf begehrte Zimmer“. Solche klaren Regeln können einen Anreiz zur Wiederkehr setzen, ohne übermäßig viel administrativen Aufwand zu erzeugen.