Cost of Sale per Booking
Der Cost of Sale per Booking (Vertriebskosten pro Buchung) beschreibt, wie viel Geld Sie typischerweise ausgeben, um eine einzelne Reservierung zu erhalten. Diese Kennzahl bündelt direkte Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Gewinnung einer Buchung anfallen.
Warum ist der Cost of Sale per Booking wichtig für Hotels?
Viele unabhängige Unterkünfte richten den Blick stark auf Gesamtumsatz oder Auslastung. Das ist nachvollziehbar, kann aber ein unvollständiges Bild liefern, weil ein Teil des Umsatzes durch Gebühren und Provisionen wieder abgeht.
Der Cost of Sale per Booking kann helfen, den Abstand zwischen Brutto- und Nettoerlös besser einzuordnen. Wenn Sie beispielsweise ein Zimmer für 150 € verkaufen, aber 18 Prozent Kommission an Booking.com und 2 Prozent Transaktionsgebühren zahlen, bleiben rechnerisch rund 120 € übrig. Die 30 € Differenz sind in diesem Beispiel Ihre Vertriebskosten für diese eine Buchung.
Wenn Sie diese Kennzahl regelmäßig betrachten, kann sie Ihnen dabei helfen:
- Die Effizienz Ihrer Kanäle zu bewerten: Sie können besser nachvollziehen, ob Buchungen über Ihre eigene Website im Vergleich zu Portalen günstiger wirken, wenn man Marketingausgaben mit einbezieht.
- Preisuntergrenzen zu bestimmen: Sie können Raten so planen, dass nach Abzug der typischen Gebühren eher ein ausreichender Deckungsbeitrag übrig bleibt.
- Abhängigkeiten zu erkennen: Ein steigender Cost of sale kann ein Hinweis darauf sein, dass der Anteil teurer OTA-Buchungen zunimmt oder dass Marketingausgaben weniger effizient eingesetzt werden.
Dabei umfasst der Cost of Sale per Booking in der Regel variable Kosten wie OTA-Kommissionen, GDS-Gebühren, PPC-Kosten (z. B. Google Ads) und Gebühren der Booking Engine. Fixkosten wie Personal oder Miete werden hierbei üblicherweise nicht berücksichtigt.
Was ist ein guter Cost of Sale per Booking für Hotels?
Es gibt keinen pauschalen Euro-Betrag, der für alle Hotels als „gut“ gilt, da dies stark von Ihren Zimmerpreisen (ADR) und Ihrer Positionierung abhängt. Ein Luxushotel kann höhere Vertriebskosten pro Buchung oft eher tragen als ein Budget-Hostel. Deshalb wird der Wert häufig auch prozentual ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt.
In der Praxis werden je nach Kanal oft folgende Größenordnungen diskutiert:
- Online Travel Agencies (OTAs): Die Kosten sind hier häufig höher und durch Kommissionsmodelle relativ klar definiert. Werte zwischen 15 Prozent und 25 Prozent des Buchungswertes sind je nach Vertrag, Sichtbarkeit und Programmen wie „Genius“ oder „Preferred Partner“ nicht ungewöhnlich.
- Direktbuchungen: Diese sind oft günstiger, aber nicht kostenlos. Wenn man Gebühren für die Booking Engine, Hosting und Marketing einrechnet, können die Kosten beispielsweise im Bereich von 5 Prozent bis 10 Prozent liegen.
- Stammgäste: Dieser Kanal ist häufig vergleichsweise günstig. Wenn kein erneutes Marketing und keine Kommission anfallen, können die Kosten in der Praxis niedrig sein und in einzelnen Fällen nahe bei null liegen.
In der Praxis hängt ein „gesunder“ Cost of Sale häufig vom richtigen Mix ab. Wenn Sie überwiegend über OTAs gebucht werden, kann der Durchschnittswert höher ausfallen und die Marge stärker belasten. Wenn es gelingt, mehr Nachfrage über die eigene Website oder über wiederkehrende Gäste zu bedienen, kann sich der durchschnittliche Cost of Sale entsprechend entspannen.
Wie berechnet man den Cost of Sale per Booking?
Um diesen Wert zu ermitteln, addieren Sie alle vertriebsbezogenen Kosten eines Zeitraums und teilen diese durch die Anzahl der in diesem Zeitraum eingegangenen Buchungen.
Die Formel lautet:
Cost of Sale per Booking = Gesamte Vertriebskosten ÷ Gesamtzahl der Buchungen
Dabei setzen sich die gesamten Vertriebskosten zusammen aus:
- Kommissionen an OTAs (Booking.com, Expedia etc.)
- Kosten für digitales Marketing (Google Ads, Social Media Ads)
- Transaktionsgebühren der Booking Engine oder Zahlungsanbieter
- GDS-Gebühren (falls vorhanden)
Beispiel:
Angenommen, Sie haben in einem Monat folgende Zahlen:
- OTA-Kommissionen: 4.500 €
- Marketingausgaben (Ads): 500 €
- Gesamtzahl der Buchungen: 250
Rechnung:
(4.500 € + 500 €) ÷ 250 Buchungen = 20 €
Das bedeutet: Sie geben im Durchschnitt 20 € aus, um eine einzelne Buchung zu gewinnen.
Wie beeinflusst der Cost of Sale Ihre Preisstrategie?
Der Cost of Sale steht in engem Zusammenhang mit Ihrer Preisgestaltung. Wenn Sie Ihre Vertriebskosten kennen, können Sie Preise so planen, dass Gebühren und Provisionen realistisch berücksichtigt sind. Dafür kommen verschiedene Preisstrategien in Frage:
- Kostenbasierte Preisgestaltung: Bei diesem Ansatz kalkulieren Sie Ihre Preise, indem Sie relevante Kosten (inklusive des Cost of sale) addieren und eine gewünschte Marge berücksichtigen. Wenn Sie wissen, dass pro Buchung etwa 20 € Vertriebskosten anfallen, können Sie diesen Betrag in Ihrer Kalkulation einplanen.
- Rack Rate (Listenpreis): Dies ist der offizielle Maximalpreis eines Zimmers ohne Rabatte. Er dient oft als Anker für Verhandlungen. Bei Direktbuchungen können die vertriebsbedingten Abzüge im Vergleich zu OTA-Buchungen häufig niedriger ausfallen.
- Wholesale Rates: Hier verkaufen Sie Zimmer in größeren Kontingenten an Reiseveranstalter zu reduzierten Preisen. Der „Cost of sale“ zeigt sich hier eher indirekt über den Preisabschlag, der – je nach Modell – deutlich unter BAR liegen kann. Dafür können andere Akquisekosten (z. B. laufendes Marketing) geringer ausfallen.
- BAR (Best Available Rate): Dies ist der flexible Tagespreis, den viele Gäste zahlen. Beim Dynamic Pricing passen Sie die BAR an die Nachfrage an. In der Kalkulation kann es hilfreich sein, OTA-Kommissionen und Gebühren so zu berücksichtigen, dass die Rate im jeweiligen Kanal wirtschaftlich bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen Cost of Sale und Net RevPAR?
Der Cost of Sale per Booking ist eine Kostenkennzahl, während der Net RevPAR (Net Revenue Per Available Room) eine Ertragskennzahl ist. Beide hängen zusammen und lassen sich gut gemeinsam betrachten.
- Cost of Sale per Booking: Er fokussiert sich auf die Ausgaben und hilft dabei, Marketing- und Vertriebskosten je Buchung einzuordnen.
- Net RevPAR (NRevPAR): Er fokussiert sich auf den bereinigten Erlös und wird häufig als RevPAR verstanden, bei dem vertriebsbezogene Kosten berücksichtigt werden.
Beispiel für den Zusammenhang:
Zwei Hotels können den gleichen RevPAR von 100 € haben.
- Hotel A erzielt diesen Umsatz hauptsächlich über OTAs (tendenziell höherer Cost of Sale).
- Hotel B erzielt diesen Umsatz über mehr Stammgäste und Direktbuchungen (tendenziell niedrigerer Cost of Sale).
Obwohl der Umsatz auf dem Papier ähnlich wirkt, kann Hotel B beim Net RevPAR vorteilhafter dastehen, weil weniger vertriebsbedingte Abzüge anfallen. Der Cost of Sale per Booking kann dabei helfen, dieses Verhältnis transparenter zu machen.
Welche Faktoren beeinflussen den Cost of Sale per Booking?
Die Höhe Ihrer Vertriebskosten ist nicht statisch, sondern wird von mehreren operativen Entscheidungen beeinflusst. Wenn Sie verstehen, welche Hebel wirken, können Sie gezielter priorisieren. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen:
- Der Channel Mix (Vertriebskanal-Mix): Das Verhältnis von Direktbuchungen zu OTA-Buchungen hat oft großen Einfluss. Je mehr Buchungen über provisionspflichtige Portale kommen, desto höher kann der durchschnittliche Cost of sale ausfallen. Eine Verschiebung hin zu Direktkanälen kann den Durchschnittswert entsprechend entlasten.
- Teilnahme an Partnerprogrammen: Viele OTAs bieten Programme an, die zusätzliche Sichtbarkeit gegen höhere Kommissionen oder Rabatte versprechen (z. B. Genius oder Preferred Partner). Das kann die Nachfrage beeinflussen, erhöht aber häufig die Kosten pro Buchung.
- Marketing-Effizienz: Bei bezahlter Werbung (z. B. Google Hotel Ads) hängt viel von Kampagnenstruktur, Tracking und Zielgruppenansprache ab. Wenn viele Klicks nicht zu Buchungen führen, kann sich der Cost of sale rechnerisch erhöhen.
- Anteil der Stammgäste: Wiederkehrende Gäste müssen häufig weniger intensiv über bezahlte Kanäle angesprochen werden. Ein höherer Stammgästeanteil kann dadurch den durchschnittlichen Akquisekostendruck senken.
4 Strategien, um den Cost of Sale per Booking im Hotel zu senken
Das Ziel ist nicht zwingend, die Kosten auf null zu bringen – Vertrieb kostet Geld –, sondern das Verhältnis von Aufwand und Ertrag bewusster zu steuern. Die folgenden Ansätze können dabei unterstützen, Vertriebskosten zu begrenzen und Direktkanäle zu stärken:
1. Stammgäste aktivieren statt neue Gäste „kaufen“
Ein naheliegender Ansatz ist die Kommunikation mit Menschen, die Sie bereits kennen. E-Mail-Marketing an eine bestehende Gästedatenbank ist häufig kosteneffizienter als provisionsbasierte Vermittlung, auch wenn Aufwand für Tools, Inhalte und Pflege entsteht.
Ein CRM-System kann dabei helfen, nach dem Aufenthalt automatisierte, relevante Angebote zu versenden. Ein gut getimter Newsletter oder ein exklusives Angebot für ehemalige Gäste kann Interesse an einer erneuten Buchung erleichtern, ohne dass zwangsläufig hohe Provisionskosten entstehen.
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2. Die eigene Website zur klaren Buchungsoption machen
Gäste buchen mitunter über OTAs, weil die Hotelwebsite kompliziert wirkt oder Unsicherheiten auslöst. Wenn Ihre Website leicht zu bedienen ist und klare Vorteile erklärt (z. B. transparente Leistungen, verständliche Stornobedingungen oder Zusatzangebote), kann das die Orientierung verbessern und Direktbuchungen wahrscheinlicher machen.
Eine moderne Booking Engine kann den Prozess vereinfachen und Reibung reduzieren. Außerdem wird es leichter, Marketingausgaben und deren Wirkung auf den Buchungsprozess sauberer einzuordnen, wenn Tracking und Nutzerführung konsistent sind.
3. OTA-Ausgaben kritisch prüfen
Betrachten Sie OTAs als wichtigen Distributionskanal – und prüfen Sie regelmäßig, welche Programme und Rabatte zu Ihrem Haus passen. Bringt ein Mobile-Rabatt wirklich zusätzliche Nachfrage? Welche Sichtbarkeitsprogramme zahlen sich aus? Fragen wie diese können helfen, Maßnahmen besser zu priorisieren.
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, Sichtbarkeit und Kosten auf OTAs neu auszubalancieren und alternative Kanäle (z. B. Metasuchmaschinen wie Google Hotel Ads) testweise stärker einzubeziehen, um den Channel-Mix flexibler zu gestalten.
4. Den Warenkorbwert erhöhen (Upselling)
Wenn die Akquisekosten für einen Gast in einem Zeitraum relativ konstant sind (z. B. ein durchschnittlicher Marketingaufwand je Buchung), kann ein höherer Buchungswert den prozentualen Kostenanteil rechnerisch reduzieren.
Durch gezieltes Upselling – etwa Zimmer-Upgrade, Frühstück oder Late Check-out – lässt sich das Angebot pro Aufenthalt erweitern. Das kann dazu beitragen, dass sich der Cost of Sale im Verhältnis zum Gesamtumsatz einer Buchung günstiger darstellt, ohne dass zwingend zusätzliche Akquisekosten entstehen.