Analyse der Wettbewerberpreise

Die Competitor Rate Analysis ist der systematische Vergleich der eigenen Preise und Konditionen mit denen direkter Mitbewerber. Sie kann helfen, die eigene Marktposition besser einzuordnen, Nachfrageschwankungen frühzeitig zu erkennen und die Preisstrategie zu justieren.

Warum ist die Konkurrenzanalyse der Raten wichtig für Hotels?

Im Gastgewerbe entscheidet der Gast selten isoliert für eine Unterkunft. Er vergleicht Preise, Inklusivleistungen und Stornierungsbedingungen mehrerer Hotels in der Region. Wenn Sie diesen Vergleich nicht selbst regelmäßig durchführen, überlassen Sie die Einordnung Ihrer Attraktivität allein dem Gast – was dazu führen kann, dass Sie im direkten Vergleich weniger häufig ausgewählt werden als Wettbewerber mit klarerem Preis-Leistungs-Profil.

Eine regelmäßige Analyse der Wettbewerberpreise kann ein wichtiger Baustein einer belastbaren Revenue-Management- und Preisstrategie sein. Sie unterstützt Sie dabei:

  • Die eigene Marktposition realistisch einzuschätzen: besser zu verstehen, ob Sie im Verhältnis zu Qualität, Lage und Angebot eher als Premium-Option oder als preislich attraktive Alternative wahrgenommen werden
  • Markttrends und Nachfrage zu identifizieren: Hinweise auf Nachfragespitzen (z. B. durch Events) früher zu erkennen, wenn mehrere Mitbewerber für bestimmte Daten ihre Raten anheben
  • Fehlentscheidungen bei der Preisgestaltung zu reduzieren: Preisabweichungen zum Markt bewusster zu prüfen, insbesondere wenn der wahrnehmbare Mehrwert für den Gast nicht im gleichen Maß mitwächst

Eine moderne Analyse betrachtet dabei nicht nur den reinen Zimmerpreis. Sie bezieht Faktoren wie Frühstück, Mindestaufenthaltsdauer und Flexibilität der Buchung mit ein, um ein vollständigeres Bild der Wettbewerbssituation zu zeichnen.

Was ist ein typisches Verhalten bei der Ratenüberwachung?

Die Art und Weise, wie Hotels ihre Konkurrenz beobachten, hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Früher genügte oft ein wöchentlicher Blick auf die Webseiten der Nachbarn. Da sich Online-Preise heute jedoch mehrmals täglich ändern können, reicht dieser manuelle Ansatz in vielen Fällen nicht mehr aus, um eine aktuelle Datengrundlage zu haben.

Viele unabhängige Hotels setzen deshalb auf Prozesse, die Schnelligkeit und Präzision kombinieren. Ein typischer Ablauf in der Praxis zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Echtzeit-Überwachung statt Momentaufnahmen: Raten fortlaufend im Blick behalten, weil OTAs (Online Travel Agencies) und Mitbewerber Preise dynamisch anpassen und manuelle Listen schnell veralten
  • Fokus auf ein relevantes „Comp-Set“: gezielt mit 5 bis 10 direkten Mitbewerbern vergleichen, die um eine ähnliche Zielgruppe konkurrieren, statt den gesamten lokalen Markt einzubeziehen
  • Einsatz von Rate-Shopping-Tools: Raten nicht händisch abfragen, sondern über Tools sammeln lassen, die Daten strukturiert aufbereiten und Entwicklungen sichtbar machen

In der Praxis bedeutet das: Wenn ein direkter Mitbewerber am Abend Restzimmer günstiger anbietet oder für die kommende Saison höhere Preise setzt, können Sie diese Information zeitnah sehen und entscheiden, ob und wie Sie reagieren möchten.

Welche Daten gehören in einen Konkurrenzanalyse-Report (Vorlage)?

Viele Hoteliers, die noch keine automatisierte Software nutzen, arbeiten mit manuellen Vorlagen oder Tabellenkalkulationen. Damit ein solcher Report aussagekräftig bleibt, sollte er strukturiert aufgebaut sein und mehr als nur den Preis enthalten.

Ein effektiver manueller Konkurrenz-Report umfasst für jeden abgefragten Tag folgende Datenpunkte:

  • Datum des Aufenthalts: Tag, für den der Preis gilt
  • Abfragedatum: Zeitpunkt der Prüfung (hilft, Änderungen nachvollziehbar zu machen)
  • Zimmerkategorie: Vergleichbarkeit der Kategorie (z. B. Standard mit Standard)
  • Preis pro Nacht: aktuell niedrigster verfügbarer Preis für die gewählte Kategorie
  • Inklusivleistungen: enthaltene Leistungen wie Frühstück, WLAN oder Parkplatz
  • Restriktionen: Bedingungen wie Mindestaufenthalt (MinLOS) oder nicht stornierbare Raten
  • Verfügbarkeit: Hinweis, ob das Hotel ausgebucht ist oder (z. B. saisonal) geschlossen hat

Wer diese Daten in einer Excel-Tabelle pflegt, erhält mit der Zeit eine Übersicht über das Preis- und Konditionenverhalten der Mitbewerber. Allerdings ist der manuelle Aufwand für die Pflege einer solchen Vorlage hoch, weshalb viele Betriebe ab einer gewissen Komplexität auf automatisierte Rate-Shopper umsteigen.

Wie berechnet man den ARI (Average Rate Index)?

Während die Konkurrenzanalyse der Prozess der Datensammlung ist, macht der Average Rate Index (ARI) das Ergebnis messbar. Er zeigt an, wie Ihre Durchschnittsrate im Verhältnis zu Ihrem direkten Wettbewerb steht.

Die Formel zur Berechnung lautet:

ARI = Ihre durchschnittliche Tagesrate (ADR) ÷ Durchschnittliche Tagesrate der Konkurrenz

Das folgende Beispiel veranschaulicht die Berechnung:

  • Ihre ADR für einen bestimmten Zeitraum beträgt 120 €.
  • Die durchschnittliche ADR Ihres Comp-Sets beträgt 100 €.
  • 120 € ÷ 100 € = 1,20

So lässt sich der Wert typischerweise interpretieren:

  • ARI = 1,0: Ihre Rate liegt ungefähr im Marktdurchschnitt Ihres Comp-Sets
  • ARI > 1,0: Ihre Rate liegt über dem Comp-Set, was bei entsprechendem Produkt- und Serviceprofil plausibel sein kann und andernfalls erklärungsbedürftig wirkt
  • ARI < 1,0: Ihre Rate liegt unter dem Comp-Set, was als bewusste Positionierung (z. B. Volumen, Sichtbarkeit, Marktpenetration) genutzt werden kann, jedoch eine genaue Betrachtung von Kosten, Wertversprechen und Restriktionen nahelegt

Was ist der Unterschied zwischen Konkurrenzanalyse und Dynamic Pricing?

Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche Stufen im Revenue Management.

Konkurrenzanalyse (Der Input)
Hierbei geht es um die Beobachtung und das Sammeln von externen Marktdaten. Sie schauen nach außen und prüfen, wie sich Mitbewerber verhalten. Es ist eine Bestandsaufnahme der Marktsituation, die Ihnen Kontext liefert, aber noch keine aktive Handlung darstellt.

Dynamic Pricing (Der Output)
Dies ist die aktive Strategie, bei der Sie Ihre eigenen Preise anpassen. Die Konkurrenzanalyse ist dabei nur einer von vielen Faktoren. Dynamic Pricing berücksichtigt zusätzlich interne Daten wie Ihre aktuelle Auslastung, das Buchungstempo (Pickup) und saisonale Muster.

Zusammenhang:
Eine präzise Konkurrenzanalyse liefert wichtige Datenpunkte für das Dynamic Pricing. Wenn Sie sehen, dass Ihre Konkurrenz für bestimmte Daten ausgebucht ist, kann es sinnvoll sein, Ihre eigene Preisposition für diese Daten zu prüfen, weil ein Teil der Nachfrage möglicherweise auf alternative Häuser ausweicht. Wenn Sie Ihre Preise jedoch ausschließlich nach der Konkurrenz ausrichten („Der Nachbar senkt den Preis, also ziehe ich nach“), handeln Sie rein reaktiv. Ein stärker datenbasiertes Dynamic Pricing nutzt Konkurrenzdaten als Signal, gewichtet sie aber mit Ihrer eigenen Performance, um einen passenden Preisrahmen abzuleiten.

Welche Faktoren beeinflussen die Raten der Konkurrenz?

Preisänderungen bei Mitbewerbern geschehen oft nicht zufällig. Um die richtigen Schlüsse für Ihre eigene Strategie zu ziehen, hilft es zu verstehen, was diese Anpassungen antreibt.

Die Preise Ihrer Konkurrenz werden häufig durch folgende Faktoren beeinflusst:

  1. Belegungsstand (Occupancy): oft ein zentraler Auslöser; bei steigender Auslastung werden verbleibende Zimmer häufig teurer, bei schwächerer Nachfrage werden Preise eher angepasst, um Attraktivität zu erhöhen
  2. Veranstaltungen und Events: lokale Feste, Messen oder Konzerte können Nachfragespitzen auslösen, auf die viele Häuser mit frühzeitigen Preisänderungen reagieren
  3. Restriktionen: ein niedrigerer Preis kann an Bedingungen geknüpft sein (z. B. Mindestaufenthalt, Sofortzahlung), wodurch ein reiner Preisvergleich ohne Konditionen leicht irreführend wird
  4. Strategische Neuausrichtung: Positionierungswechsel, etwa nach Renovierungen oder bei einem Zielgruppenwechsel, können sich in einem neuen Preisniveau widerspiegeln
  5. Automatisierte Anpassungen: Preisänderungen können durch OTA-Logiken oder Revenue-Management-Systeme ausgelöst werden, ohne dass ein Hotelier manuell eingreift

Wie können Sie die Konkurrenzanalyse in Ihrem Hotel verbessern?

Viele unabhängige Hoteliers investieren viel Zeit in den manuellen Preisvergleich auf Buchungsportalen und wünschen sich bei der Preisfindung mehr Klarheit. Eine effektive Analyse kann dabei helfen, Entscheidungen besser zu strukturieren und den operativen Aufwand zu reduzieren.

Um Ihre Konkurrenzanalyse zu professionalisieren, können Sie folgende Strategien anwenden:

1. Das richtige Comp-Set definieren

Die Auswahl der falschen Vergleichshotels führt oft zu verzerrten Ergebnissen. Ihr direkter Konkurrent ist nicht automatisch das Hotel nebenan. Ein relevantes Comp-Set besteht aus Unterkünften, die folgende Kriterien erfüllen:

  • ähnliche Sterne-Kategorie oder Ausstattungsqualität
  • ähnliche Zielgruppe (z. B. Geschäftsreisende oder Familien)
  • Präsenz auf vergleichbaren Buchungskanälen
  • grob vergleichbares Preisniveau (unter Berücksichtigung von Leistungen und Restriktionen)

2. Automatisierung nutzen statt manuell suchen

Manuelle Preisvergleiche sind zeitaufwendig und fehleranfällig. Bis alle Daten in eine Tabelle übertragen sind, kann sich die Marktlage bereits wieder verändert haben. Mit Tools wie einer dynamische Preissoftware lässt sich dieser Prozess häufig automatisieren: Das System kann die Raten Ihres Comp-Sets fortlaufend beobachten und Daten so aufbereiten, dass Sie sie leichter in Ihre Entscheidungen einbeziehen können.

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3. Den Wert vergleichen, nicht nur den Preis

Ein Preis von 100 € ist nicht automatisch gleichwertig mit einem anderen Preis von 100 €, wenn die Leistungen abweichen. Bietet Ihr Konkurrent für diesen Preis Frühstück und kostenlose Stornierung an, Sie jedoch nicht, kann Ihr Angebot aus Sicht des Gasts teurer wirken. Achten Sie bei der Analyse auf folgende Details:

  • gleiche Zimmerkategorien vergleichen (Standard mit Standard)
  • Inklusivleistungen prüfen
  • Stornierungsbedingungen berücksichtigen

Manchmal ist es sinnvoller, den Preis beizubehalten und stattdessen den Mehrwert Ihres Angebots klarer zu kommunizieren.

4. Daten interpretieren statt blind kopieren

Das Ziel der Analyse ist nicht, die Preise der anderen zu imitieren. Senkt ein Konkurrent seine Preise drastisch, kann dies auf eine angespannte Buchungslage hindeuten. Wenn Sie diesem Schritt ungeprüft folgen, kann das Ihre Positionierung verwässern.

Nutzen Sie die Daten als Orientierung, aber bleiben Sie bei Ihrer eigenen Logik: Wenn Ihre Auslastung und Ihr Buchungstempo stabil sind, kann es möglich sein, eine höhere Preisposition zu testen als Teile des Wettbewerbs. Eine datenbasierte Software kann dabei unterstützen, externe Marktdaten mit Ihrer internen Performance abzugleichen und Preisentscheidungen besser zu begründen.